Die Neanderkirche

Unter den zahlreichen Baudenkmälern in der „Neuen Stadt Hochdahl“ nimmt die
Neanderkirche als unverkennbares Wahrzeichen in landschaftlich reizvoller Lage einen
ehrenvollen Platz ein. Das Gotteshaus ist vom Alter her zwar noch relativ jung, aber allein die
Außenfassade aus dem rustikal wirkenden Neandertal-Gestein vermittelt einen fast zeitlosen
Eindruck.

Am 23. Juli 1905 ist die Kirche eingeweiht worden, als Hochdahl vor allem durch den Bau
der Eisenbahn und der Hochdahler Hütte, aber auch durch die Seidenweberei Schlieper,
Wülfing & Söhne, die Ziegelei sowie durch die Kalkindustrie rasch angewachsen war. Der
lange Fußmarsch nach Erkrath blieb fortan den hiesigen evangelischen Einwohnern erspart.

In der „Jubiläumsausgabe 100 Jahre Neanderkirche“, die ursprünglich aus Anlaß des
90jährigen Bestehens veröffentlicht worden ist, wird in einer Gemeindechronik deren
Geschichte detailliert beschrieben. Damals hat Lothar Eulner ebenfalls zurückgeblickt und
die wesentlichen Vorgänge beschrieben, die mit dem Bau der Kirche verbunden sind.

Einige Besonderheiten sollen herausgegriffen und ergänzt werden:

Da ist zunächst ein Mann zu nennen, der als Hauptförderer und Initiator des am 07.01.1900
gegründeten „Evangelischen Kirchbauvereins“ eine herausragende Rolle einnimmt. Sein
Name ist Adolf Boeddinghaus (1843 – 1928), Textilfabrikant aus Elberfeld, der sich am
Feldhof eine schmucke Villa hatte errichten lassen (sie ist unlängst durch eine Schenkung in
das Eigentum der ev. Kirchengemeinde Hochdahl übergegangen).
B. war vermögend und konnte es sich leisten, der evangelischen Gemeinde das Grundstück
am Neanderweg zu überlassen, um dort die Kirche zu errichten. Auch deren endgültige
Ausgestaltung war – so ist nachzulesen – nur aufgrund seiner großherzigen Geldspende
möglich, daneben aber auch durch Stiftungen von Kommerzienrat Arthur Meckel (dem
Erbauer der Villa Falkenberg, nunmehr „Bayer-Villa“), der Fabrikanten Schlieper und
Wülfing und des Bergischen Gruben- und Hütten-Vereins nebst der Familie Wilhelm Klees,
dem Hüttendirektor (Nachfolger von J. Schimmelbusch).

Das Gotteshaus wurde nach den Plänen des Regierungsbaumeisters Heinrich Plange aus
Elberfeld errichtet. Fachleute sprechen von „Stilausprägungen des Historismus bzw.
reduziertem Jugendstil“. Und Denkmalexperten sehen hier eine „differenzierte
Dachlandschaft mit Schopfwalmdächern über Langhaus, Zwerchdach und Auslucht“ und
benennen weitere begriffliche Zuordnungen, deren Wiedergabe aber hier zu weit führen
würde.

Adolf Boeddinghaus hat auch die beiden Glocken mit den Tönen „a“ und „fis“ gestiftet. Es
sind einfache Gußstahlglocken, die beide Weltkriege heil überstanden haben (die Glocken
der Trillser Kirche dagegen waren im letzten Krieg konfisziert worden). Die eingegossene
Beschriftung ist erwähnenswert. Während die kleinere Glocke mit dem Wort „Wachet“ auf
den 1. Korinther-Brief 16, Vers 13, hinweist, trägt die größere Glocke die Inschrift
„Unbeweglich im Herrn“ (1. Korinther-Brief 15, Vers 58). Zusätzlich sind auch die Namen
des Vorstandes des Kirchbauvereins vermerkt. Die Glocken wurden zunächst mit Hanfseilen
(die heute noch existieren!) manuell bewegt, bis Elektromotoren Einzug im Glockenstuhl
hielten.

An den Schallaustrittsluken ist zu erkennen, was den Turm hält: Dunkelrote Hochdahler
Ziegelsteine, die dem Turm die Stabilität geben. Der helle Bruchstein ist außen davor gesetzt.
Die heiligen Geräte (Kelch, Kanne, Brotkörbchen und Teller in Silber) stiftete die Ehefrau
von A. Boeddinghaus. Die bunten Kirchenfenster waren ein Geschenk der Familie Wilhelm
Klees. Der Lichtschein durch die bunten Fenster brachte Leben in das schlichte Weiß und
Grau der Innenwände.

Auf Wunsch der Stifter und Gründer erhielt die Kirche den Namen „Neanderkirche“ zum
Gedenken an den evang. Theologen und Kirchenlieddichter Joachim Neander (1650 – 1680),
der sich bekanntlich längere Zeit in dem benachbarten „Gesteins“, der Felsenklamm der
Düssel, aufgehalten hat. Sein bekanntestes Lied ist „Lobe den Herren, den mächtigen König
der Ehren“.

Im Laufe der Jahre sind immer wieder bauliche Unterhaltungs- und Umgestaltungsarbeiten
durchgeführt worden , in größerem Umfang 1954, zuletzt 1999 bei voller Einrüstung. In der
Jubiläumsausgabe verweist Kirchbaumeister Erhard Reiche auf die „Beschreibung des
Kirchleins“ im Festbüchlein zur Einweihung: „Rauh, fast trotzig ist das Mauerwerk des
Schiffes, wie des Chores und des Turmes, aus bergischem Kalkstein des Mettmanner Tales
erbaut, dessen herbe graue Frische mit dem Grün der Umgebung trefflich kontrastiert,
stimmungsvoll gehoben durch die kraftvolle Wirkung des leuchtenden Rotes an Kirchendach
und Turmhelm, der dem reckenhaft ragenden Viereck des Turmes sturmsicher im Nacken
sitzt, gekrönt von Kreuz und Wetterhahn.“

Die damaligen Anpflanzungen im Norden sind zu einem herrlichen Mischwald aus Buchen
und Eichen herangewachsen. Der westlich davon aufgeschüttete Wall diente zur Abgrenzung
und wurde beidseitig mit Lindenbäumen bepflanzt. Im Volksmund heißt dieses Wegestück
„Seufzerallee“, weil die Bewohner vom Feldhof und dem Neandertal auf dem Gang zur
Kirche hier besonders über ihre Sünden nachgedacht haben sollen.

Im Innern der Kirche wird auf einer Gedenktafel der Gefallenen des 1. Weltkrieges gedacht,
wobei auffällt, daß als Wohnort nicht nur Hochdahl, Millrath, Bruchhausen oder Trills
genannt werden, sondern auch katastermäßige Flurnamen wie Fritzelsburg, Gansheide,
Johannisburg oder Hitzberg.

Erst 1922 wurde der ev. Friedhof angelegt, dem nach dem 2. Weltkrieg kommunale
Grabfelder folgten (Gemeinde Hochdahl im Amt Gruiten – bis 1975). Auf dem Grundstück
westlich der Kirche wurde 1955 das neue Pfarrhaus gebaut und zur gleichen Zeit erhielt das
alte Gemeindehaus einen Anbau für ein Jugend- und Vereinsheim.

Die Gründung der ev. Kirchengemeinde Hochdahl erfolgte im Jahre 1926, die Loslösung der
pfarramtlichen Bindung von Erkrath erst im Juni 1946. Pastor von Derschau war der erste
Pfarrer bis 1952, dem Reinhard Berchem (bis 1980) folgte, dem vielen Hochdahlern noch
bekannt sein dürfte.

Im Zeichen der Ökumene nutzt auch die kath. Pfarrgemeinde Hochdahl die Neanderkirche
für Gottesdienste (Samstag-Vorabendmesse), ein sichtbares Zeichen für ein vorbildliches
Miteinander beider Konfessionen.

Herbert Bander, Version 01/2008